Presseerklärung

Save Our Spectrum – Geplante Frequenzvergabe gefährdet Sound von Kulturevents

Neu gegründeter Verband APWPT fordert gemeinsam mit Peter Maffay:
"Frequenzen für drahtlose Mikrofone müssen geschützt werden"

Drahtlosen Mikrofonen, wie sie bei Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen verwendet werden, droht das Aus. Die geplante Neuvergabe von Funkfrequenzen an Handy-TV und Breitband-Internet lässt die Belange der Eventbranche bislang unberücksichtigt. Der neu gegründete Verband für professionelle drahtlose Produktionstechnologie (Association of Professional Wireless Production Technology – APWPT) will das ändern.
Gemeinsam mit Sänger Peter Maffay hat er am 10. November in Berlin den Erhalt der für drahtlose Mikrofone benötigten Funkfrequenzen gefordert.

Berlin, 10. November 2008.
Die Digitalisierung des Fernsehens führt dazu, dass in den nächsten Jahren zahlreiche Funkfrequenzen neu vergeben werden. Der bisherige Plan sieht vor, diese Kanäle für Handy-TV und Breitband-Internet zu
nutzen. Dann allerdings würden drahtlose Mikrofone und andere Produktionstechnik nicht mehr funktionieren. Um das zu verhindern, haben sich Hersteller und Nutzer drahtloser Funksysteme in einem Verband, dem APWPT, zusammengeschlossen. „Drahtlose Produktionstechnik gehört heutzutage bei jedem Konzert und jeder Sportübertragung zur Grundausstattung. Der Wegfall der dafür nötigen Frequenzen wäre eine Katastrophe für den Kulturbetrieb“, warnte Vorstandssprecher Norbert Hilbich am Montag in Berlin. „Deshalb fordern wir den Erhalt dieser Frequenzen oder adäquaten Ersatz.“

Peter Maffay

P. Maffay

Maffay ist während Tournee auf drahtlose Mikrofone angewiesen

Peter Maffay unterstützt die Arbeit des Verbandes, denn der Sänger wäre selbst betroffen, wenn für drahtlose Mikrofone keine Frequenzen mehr zur Verfügung stünden. Auf seiner Tournee ist er auf drahtlose Produktionsgeräte
angewiesen. Vor allem die beliebte Drachenfigur Tabaluga wäre ohne diese Technik in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, viele Szenen des Bühnenprogramms könnten nicht mehr realisiert werden.

Bisher arbeiten drahtlose Übertragungssysteme ohne Probleme parallel zu analog ausgestrahlten TV-Kanälen. Als Sekundärnutzer dürfen sie dort betrieben werden, solange sie die Primärnutzer Fernsehen und Rundfunk nicht stören. Mit der Digitalisierung des Fernsehens ändern sich allerdings die Bedingungen, denn digitale Sender brauchen weniger „Platz“ als analoge Programme, insgesamt nur ein Viertel der bislang genutzten Frequenzen. Die in den nächsten Jahren frei werdenden Frequenzen, die so genannte digitale Dividende, soll neu vergeben werden. Die Nachfrage ist hoch. Rundfunksender, Telekommunikationsanbieter und andere Interessenten bemühen sich um die Rechte.

Doch auch die digitale Fernsehausstrahlung wird sich in den nächsten Jahrenweiterentwickeln, vor allem was Programmanzahl und -qualität betrifft. Der zu verteilende Kuchen könnte also kleiner werden als bislang angenommen.
Bewerber mit geringerem politischen Einfluss als die großen Telekommunikationsunternehmen hätten es dann noch schwerer, ein Stück der digitalen Dividende abzubekommen. Ein weiteres Hindernis für die Nutzer drahtloser Mikrofone: Damit auch kleine und tragbare Empfangsgeräte auf Handy-TV und Breitband-Internet zurückgreifen können, muss die Feldstärke der Basisstationen erheblich erhöht werden. Das wiederum führt zu Störgeräuschen auf den Nachbarkanälen, die bislang für drahtlose Mikrofone verwendet werden. Der Einsatz der drahtlosen Produktionstechnik wird so wahrscheinlich unmöglich.

Einschränkung drohen

Produktion bestimmter TV-Formate erheblich erschwert
Von der Einschränkung betroffen wären TV-Produktionen, Theatervorführungen, Konzerte, Konferenzen, Volksfeste, Sportveranstaltungen und andere Kulturevents. So könnte es sogar zu der paradoxen Situation kommen, dass Handynutzer Fernsehprogramme zwar empfangen können, die Produktion bestimmter Sendeformate aber erheblich erschwert wird. Das für die Frequenzvergabe zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie lässt in einem entsprechenden Verordnungsentwurf (FreqBZPV) die Belange der Eventbranche unberücksichtigt. Die Proteste der Betroffenen haben die verantwortlichen Politiker inzwischen jedoch dazu veranlasst, gemeinsam mit Nutzern und Herstellern drahtloser Funksysteme nach einer Lösung zu suchen.