Matthias Fehr

M. Fehr

„Kultur muss Vorrang vor Mobilfunk und mobilem Internet haben“

Matthias Fehr
ist Vorsitzender des Verbands für professionelle drahtlose Produktionstechnologie (APWPT). Er ist freiberuflich tätig als Berater für die Standardisierung und Regulierung der Sachgebiete „Professionelle drahtlose Mikrofontechnik“ und „Funktechnik der Flugsicherung“. Für die Belange der Branche setzt sich Fehr auch als Vorsitzender des Arbeitskreises „Professionelle Funkmikrofone“ der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnologie (DKE) ein.

„Der Angriff der Mobilfunkbetreiber auf das Rundfunk- und Kulturspektrum ist weltweit ein Thema. Das Rundfunkspektrum eignet sich aufgrund seiner Ausbreitungseigenschaften besonders für eine kostengünstige Verbreitung, weil Hindernisse, wie zum Beispiel Wände, einfach durchdrungen werden können. Außerdem werden in diesem Frequenzbereich mit kleinen Sendeleistungen gute Reichweiten erzielt.

Funkmikrofone werden ebenfalls im Rundfunkspektrum genutzt, weil die Funkverbindung bei Aktionen auf der Bühne, in den Kulissen, im Publikum und sogar hinter der Bühne sicher ist. Wir verstehen, dass die Mobilfunkbetreiber auch Zugang zu diesem Spektrum erhalten wollen. In internationalen Gremien wie dem ECC – European Communication Committee – mit seinen vielen Unterorganisationen wird gemeinsam nach technischen Lösungen gesucht. Insbesondere die Rundfunkanstalten und die Hersteller sind in diesen Organisationen engagiert. Um den Forderungen nach dem Erhalt von Übertragungs- und Produktionsfrequenzen ein stärkeres Gewicht zu verleihen, wurde der APWPT gegründet. Bereits jetzt hat er 27 Mitglieder aus sieben Ländern.

Unsere Forderungen lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:
1)
Keine Verabschiedung der geplanten Änderungen der nationalen Frequenztabellen in Europa. In Deutschland ist das aktuell die geplante Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung durch die Bundesregierung zur Einschränkung von Rundfunk- und Kulturfrequenzen.
2)
Abwarten bis die Interferenzuntersuchungen im UHF-Band in der EU und Deutschland abgeschlossen sind. Die World Radio Conference 2011, WRC 2011, ist der eigentliche Abstimmungstermin der Kompatibilitätsuntersuchungen. Die EU versucht aber, so schnell wiemöglich ein EU-Frequenzband zu etablieren.
3)
Keine vorschnelle Zuweisung der Kulturfrequenzen an Telekommunikationsunternehmen, bevor die technischen und
finanziellen Rahmenbedingungen diskutiert wurden. Am Beispiel Deutschland: Mehr als 95 Prozent der drahtlosen Mikrofonanlagen befinden sich in dem Bereich, der als EU-Frequenzband identifiziert wurde.
4)
Sicherung der UHF-Frequenz für qualitativ hochwertige Rundfunk- und Medienproduktionen ohne Störungen, die auch Raum für zukünftige Entwicklungen bietet. Eine Änderung der UHF-Frequenzbelegung erfordert eine Übergangsfrist mit gleichzeitiger Bereitstellung der nötigen Ausweichfrequenzen.

Drahtlose Mikrofone und Produktionsmittel sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Rundfunk-, Medien- und sozialen Kultur. Das dafür erforderliche Frequenzspektrum im UHF-Band darf nicht für die „Digitale Dividende“ geopfert werden.
Das UHF-Band ist das einzige Frequenzspektrum, in dem es noch ohne Störungen möglich ist, qualitativ hochwertige Medien- und Kulturproduktionen zu realisieren.
Die Kultur muss Vorrang vor dem Mobilfunk und dem mobilen Internet in ländlichen Gebieten haben. Mobilfunk und mobiles Internet können auch auf anderen Wegen ohne technische Einschränkungen verbreitet werden.