Dr. H. Esser

Dr. Esser

„Die Nutzer und Produzenten digitaler Mikrofone brauchen Klarheit“

Dr. Heinrich Esser ist Geschäftsführer und Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Sennheiser electronic. Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur arbeitet seit 1997 für Sennheiser, erst im Produktionsbereich, seit 2002 in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung.
„Die Firma Sennheiser electronic engagiert sich seit einiger Zeit für den Erhalt des Frequenzspektrums im UHF-Bereich, insbesondere in den Kanälen 61-69. Nach unseren Erkenntnissen gibt es kein anderes Frequenzspektrum, das
hinsichtlich der Bandbreite und der Qualität dem UHF-Bereich gleichwertig wäre. Außerdem sind alle anderen Frequenzbereiche bereits vergeben.
Wir sind gemeinsam mit den Anwendern und unseren Wettbewerbern sowie den Regulierungsbehörden auf der Suche nach alternativen Lösungen. Dazu finden auch umfangreiche Messungen statt. Deshalb sind wir davon überrascht, dass das Bundeswirtschaftsministerium vorschnell eine Änderung der so genannten Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung vorlegt, obwohl die technischen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind.
Selbst der Beirat der Bundesnetzagentur hat ein Gutachten zur Digitalen Dividende veranlasst, dass erst im Frühjahr 2009 erwartet wird. Wir können uns auch nicht damit zufrieden geben, dass man uns in Aussicht stellt, in Zukunft ausreichende Kapazitäten zu finden, um dadurch unsere Zustimmung zur Änderung der Frequenzverordnung zu erhalten. Die Nutzer und die Produzenten brauchen Klarheit, wo und wie sie in Zukunft ihren Content produzieren können. Diese Frequenzen müssen frei von Störungen benachbarter Nutzer sein.

Die Digitalisierung der Mikrofone ist keine Lösung. Der Spektrumsgewinn wird bei der Digitalisierung des Fernsehens dadurch erzielt, dass die Programme zur Ausstrahlung komprimiert und Teile des Programmsignals nicht mit übertragen werden. Dies ist bei Produktionen nicht möglich. Bei der Produktion ist es notwendig, die gesamte Qualität eines Stückes möglichst im Original aufzuzeichnen. Erst danach kann ein Programm für den jeweiligen Verbreitungsweg bearbeitet und komprimiert werden. Ist ein Programm von Anfang an komprimiert, ist eine Weiterverarbeitung nur noch mit weiteren Qualitätsverlusten möglich.
Die alten Beatles-Aufnahmen, die noch in Mono produziert wurden, gibt es heute in Stereo, weil das Ausgangsmaterial auf den analogen Bändern genügend Informationen enthält. Mit komprimierten Aufnahmen wäre das nicht möglich gewesen.
Trotzdem arbeiten wir an der Entwicklung von digitalen Mikrofonen. In den Studios wird bereits mit einer Aufnahmetechnik von 24 und 32 Bit gearbeitet. Da die Mischpulte schon Digitaltechnik verwenden, sind alle Hersteller
gezwungen, mit drahtlosen Mikrofonen auch digitale Signale zu liefern. Durch die Digitalisierung der Mikrofone gibt es jedoch keine Einsparung bei den Frequenzen, da zur Übertragung die gleiche Bandbreite benötigt wird. Wenn mit Datenraten von 24 oder 32 Bit gearbeitet wird, ist für drahtlose Mikrofonesogar eine größere Bandbreite erforderlich.
Sennheiser arbeitet seit langem an digitalen Mikrofonen und hat erste Feldtestmuster fertig gestellt. Ziel ist es, die Serienreife in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres zu erreichen. Wir sind stolz, dass unsere Arbeit auch anerkannt
wird. In diesem Jahr sind wir für den Zukunftspreis des Bundespräsidenten nominiert worden.
Um nicht missverstanden zu werden: Die digitalen Mikrofone können das Problem der knappen Frequenzen nicht lösen.“